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Fulfillment & Steuern: Wo wird der Umsatz versteuert?

|   DreamRobot-News

Für Händler ist schon das deutsche Steuerrecht ein Buch mit sieben Siegeln. Verwirrender ist es, wenn Waren über die Landesgrenze hinweg verkauft werden und man sich auch über die Versteuerung im Zielland Gedanken machen muss. Und erst recht kompliziert ist es, wenn die Waren wiederum bei einem Fulfillment-Dienstleister in einem anderen Land liegen. Aber zunächst zu den Grundsätzen... 

Ursprungs- oder Zielland? Wo wird versteuert?


Lieferungen von Deutschland in ein anderes Land der EU unterliegen zunächst regelmäßig der Besteuerung am Ort der Versendung – und damit der deutschen Umsatzsteuer. Die Lieferung eines deutschen Online-Händlers an einen niederländischen Verbraucher wird also zunächst in Deutschland versteuert. Das klingt auf den ersten Blick nicht kompliziert. 

Von diesem Grundsatz gibt es jedoch wenig überraschend eine Ausnahme: die sogenannte „Versandhandelsregelung”. Diese besagt, dass die Umsatzsteuer beim grenzüberschreitenden Versand im Land des Empfängers an den Fiskus abgeführt werden muss, wenn eine bestimmte Lieferschwelle überschritten wurde. Die Lieferschwelle ist von Land zu Land unterschiedlich und wird beispielsweise bei den IHKs veröffentlicht.  

Die Lieferschwelle für Lieferungen nach Österreich liegt beispielsweise derzeit bei 35.000 Euro. Liefert der deutsche Händler eine Bestellung nach Österreich aus, mit der er die Lieferschwelle von 35.000 Euro überschreitet, ist ab dieser Lieferung die österreichische Umsatzsteuer maßgeblich. Auch für das Folgejahr greift die Versandhandelsregelung noch.  

Welche Umsatzsteuer gilt bei Versand über Amazon FBA?

Tatsächlich nutzen vielen Händler jedoch den bequemen Service eines Fulfillment-Dienstleisters und liefern die Ware an den Kunden nicht mehr selbst aus. Das kann Fulfillment by Amazon (kurz: FBA) sein oder eine andere Variante. Tatsächlich ist die oben beschriebene Versandhandelsregelung dann nicht mehr so einfach auf diesen Fall anzuwenden, wenn beispielsweise ein niederländischer Händler seine Ware europaweit in Amazon-Lagern (z. B. Frankreich oder Polen) einlagert, und dann wiederum in andere Länder, beispielsweise an deutsche Kunden, ausliefert. 

Der Bundesfinanzhof hat sich dem Thema jedoch angenommen und die bisherige Rechtsprechung noch einmal unterstrichen: Lässt ein Verkäufer Waren über FBA an seine Kunden ausliefern, ist Leistungsempfänger nicht Amazon, sondern der Endkunde. Die Lieferungen an die jeweiligen Kunden (durch Amazon) seien dann im Rahmen der gewohnten Versandhandelsregelung in Deutschland steuerpflichtig, wenn die Lieferschwelle überschritten wurde (Beschluss vom 29.04.2020, Aktenzeichen: XI B 113/19). 

Der Händlerbund hilft!

Wie man sieht, sind beim Fulfillment neben den üblichen Rechtsfragen zum Datenschutzrecht, Vertrags- und Widerrufsrecht auch steuerrechtliche Themen zu berücksichtigen. Für Online-Händler ist dies eine schier unüberschaubare Fülle. Deshalb sollten sie sich in rechtlichen Fragen von Experten wie dem Händlerbund helfen lassen. Dessen Juristen sind erfahrene Ansprechpartner in allen rechtlichen Fragen zur Praxis. Wenn Sie sich als Leser unserer Seite jetzt für die umfangreichen Rechtsdienstleistungen des Händlerbundes entscheiden, erhalten Sie mit dem Rabattcode P640#M1#2013 einen Nachlass von drei Monaten auf das Mitgliedschaftspaket Ihrer Wahl.

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Über die Autorin 

Yvonne Bachmann ist seit 2013 als Volljuristin für den Händlerbund tätig. Dort berät sie Online-Händler in Rechtsfragen und berichtet auf dem Nachrichtenportal OnlinehändlerNews regelmäßig zu Rechtsthemen, welche die E-Commerce-Branche bewegen.