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Konjunkturpaket: Was ist bei der MwSt.-Senkung steuerlich zu beachten?

|   DreamRobot-News

Neben der faktischen Umsetzung des Mehrwertsteuersatzes von 19% auf 16%, bzw. von 7% auf 5% stellen sich auch viele steuerliche Fragen. Dazu haben wir unsere Partner von den Steueragenten um Unterstützung gebeten. 

Im Folgenden geben die Steueragenten erste Hinweise und Anmerkungen zu häufig auftretenden Fragen, die sich im Zusammenhang mit der geplanten Steuersatzänderung zum 01.07.2020 stellen.

Bitte beachten Sie jedoch, dass die nachfolgenden Erläuterungen keine steuerliche Beratung ersetzen. Sie sind als erste Hinweise zu verstehen, die zwingend auf deren Anwendungsmöglichkeit im Einzelfall zu prüfen sind.  Diese Anmerkungen geben den heutigen Stand der Rechtslage wieder (16.06.2020).  

Uwe Riediger ist Steuerberater und Geschäftsführer der steueragenten.de, einer Steuerberatungsgesellschaft mbH in Hamburg. Er hat sich mit den wichtigsten Fragen unserer Kunden beschäftigt und gibt Auskunft.

Im Dialog mit den Steueragenten

Das müssen Onlinehändler für die kommende Mehrwertsteuersenkung wissen!

Onlinehändler

Was ist bei Rechnungen zu beachten, die vor dem 01.07.2020 gestellt und erst nach dem 30.06.2020 bezahlt werden? Gibt es hier Unterschiede zwischen der Soll- und der Ist-Besteuerung?

steueragenten

Für die Entstehung der Umsatzsteuer und die Höhe des Steuersatzes ist entscheidend, wann die Leistung ausgeführt worden ist. Dies gilt sowohl für die Ist- als auch die Sollbesteuerung. Wird die Leistung vor dem 01.07. oder nach dem 31.12.2020 ausgeführt, unterliegt sie dem Umsatzsteuersatz von 19% bzw. 7%. Wird die Leistung zwischen den genannten Daten ausgeführt, sind die Steuersätze von 16% oder 5% anzuwenden. Weder der Zeitpunkt der vertraglichen Vereinbarung, noch der Zeitpunkt der Entgeltvereinnahmung oder der Rechnungsstellung ist für die Höhe des maßgeblichen Steuersatzes relevant.

Wird z.B. am 25.06.2020 eine Rechnung für eine Leistung gestellt, die am 23.06.2020 ausgeführt wurde, so muss die Abrechnung mit 19% bzw. 7% Umsatzsteuer erfolgen. Wann diese Rechnung bezahlt wird, ist nicht relevant.

Hat ein Unternehmer, der der Ist-Besteuerung unterliegt, vor dem 01.07.2020 eine Zahlung für eine Leistung erhalten, die zwischen dem 01.07. und 31.12.2020 ausgeführt wird, ist auch auf diese Umsätze nachträglich der Umsatzsteuersatz von 16% bzw. 5% anzuwenden. Insofern ist eine Berichtigung der ursprünglich berechneten Umsatzsteuerschuld vorzunehmen.

Onlinehändler

Was passiert, wenn man nach dem 30.06.2020 eine Rechnung bekommt, in der der Steuersatz mit 19% angegeben wird. Können dann trotzdem nur 16% als Vorsteuer geltend gemacht werden?

steueragenten

Wird eine Leistung mit dem Steuersatz von 19% abgerechnet, obwohl die Leistung zwischen dem 01.07. und 31.12.2020 erbracht wurde, liegt ein unrichtiger Steuerausweis gem. § 14c Abs. 1 UStG vor. Der Unternehmer, der die Rechnung ausgestellt hat, schuldet dann die 19%, der zu hoch ausgewiesene Steuerbetrag kann vom Leistungsempfänger nicht als Vorsteuer in Abzug gebracht werden. In diesen Fällen sollte eine Rechnungskorrektur vorgenommen werden.

Onlinehändler

Was ist mit Mietverträgen für Laden / Lager etc.? In den Verträgen steht natürlich überall 19% drin, man kann aber nur 16 % absetzen. 

steueragenten

Miet- und Leasingverträge regeln Dauerschuldverhältnisse. Die Leistungserbringung erfolgt in der Regel in Form von vertraglich vereinbarten Teilleistungen z.B. monatlich oder quartalsweise. Dauerleistungen in Form von sonstigen Leistungen gelten an dem Tag als erbracht, an dem der vereinbarte (Teil-) Leistungszeitraum endet. Liegt das Ende des (Teil-) Leistungszeitraumes zwischen dem 01.07. und 31.12.2020 sind demnach auf diese sonstigen Leistungen die verminderten Steuersätze anzuwenden. Bei einem Mietvertrag über 10 Jahre, bei dem monatliche Mietzahlungen zu leisten sind, ist die Miete in der Regel für die Monate Januar bis Juni 2020 mit 19% abzurechnen und die Miete für die Monate Juli bis Dezember 2020 unter Ausweis von 16%.

In den bestehenden Abrechnungen über Dauerleistungen (Verträge, Dauerrechnungen,…) wird das Gesamtentgelt grundsätzlich (sofern keine steuerfreien oder nicht steuerbare Leistungen vorliegen)  unter Anwendung des Steuersatzes von 19% bzw. 7% abgerechnet. Fällt das Ende des zugrundeliegenden (Teil-) Leistungszeitraums zwischen den 01.07. und 31.12.2020 sollten daher diese Abrechnungen angepasst werden. Werden die Abrechnungen nicht geändert, wird die zu hoch ausgewiesene Umsatzsteuer geschuldet und der Leistungsempfänger kann nur (unter den übrigen Voraussetzungen des § 15 UStG) 16% bzw. 5% als Vorsteuer abziehen.

Ob in diesen Fällen, die Steuersatzänderung den vom Leistungsempfänger zu zahlenden Betrag reduziert, ist im Einzelfall zu prüfen. Hierfür sind die Regelungen in den jeweiligen Verträgen maßgeblich (Wurde der Preis brutto oder netto vereinbart? Wurde der Vertrag vor dem 01.03.2020 abgeschlossen und ist daher gegebenenfalls § 29 Abs. 2 UStG anzuwenden? Enthält der Vertrag eine Regelung zu Steuersatzänderungen? ...).

Onlinehändler

Ich habe gehört, dass man bereits vor dem Eintritt der Steuersatzänderungen Rechnungen ausstellen kann mit dem Steuersatz, der bei der Ausführung der Leistung gilt. Stimmt das?

steueragenten

Wird z.B. eine Anzahlungsrechnung vor dem 01.07.2020 ausgestellt, die sich auf Leistungen bezieht, die mit Sicherheit in der Zeit zwischen dem 01.07. und 31.12.2020 ausgeführt werden, kann darin (um spätere Korrekturen zu vermeiden) der Steuersatz mit 16% bzw. 5% angegeben werden. Steht der Leistungszeitraum noch nicht fest, sind die Anzahlungen (zunächst) mit 19% bzw. 7% zu besteuern. Bei Ausführung der Leistungen zwischen dem 01.07. und 31.12.2020 erfolgt dann eine entsprechende Entlastung. Die Entlastung erfolgt in dem Voranmeldungszeitraum, in dem die Leistung ausgeführt wird. Bei der Ist-Besteuerung in dem Voranmeldungszeitraum, in dem das restliche Entgelt vereinnahmt wird.

Onlinehändler

Wie sieht es mit Gutschriften aus, die für Artikel erstattet werden, die vor dem 30.06. gekauft und geliefert wurden?  Gilt für Zwecke der Umsatzsteuer das Bestell/Kaufdatum oder der Zeitpunkt der Gutschriftausstellung? 

steueragenten

Wurde die Lieferung eines Artikels vor dem 01.07.2020 ausgeführt, unterliegt diese dem Steuersatz von 19% bzw. 7%. Wird diese Lieferung zurückgeschickt, ist die bisher berechnete Umsatzsteuer zu korrigieren. Die Gutschrift muss grundsätzlich betragsmäßig der ursprünglich ausgestellten Rechnung entsprechen.

Wird der Artikel umgetauscht und die Lieferung des „Ersatzartikels“ wird zwischen dem 01.07. und 31.12.2020 ausgeführt, ist auf diese „nachgeordnete“ Lieferung  der reduzierte Steuersatz von 16% bzw. 5% anzuwenden.

Onlinehändler

Ein Kunde richtet am 15.6. ein Abo für ein Produkt ein, das ihm monatlich geliefert wird. Dementsprechend soll am 15. eines jeden Monats (ein Jahr lang) der Monatsbetrag abgebucht werden. Wie wird der berechnet und worauf muss ich achten? Was, wenn der Kunde das Produktabo für ein Jahr im Voraus zahlt? Was bedeutet das angesichts der für 6 Monate geringeren MwSt? 

steueragenten

Abonnements werden in der Regel als Vorauszahlungen für eine einheitliche Leistung angesehen. Die Leistung gilt am Ende des Leistungszeitraums als ausgeführt. Für die Leistung gilt daher der Steuersatz, der am Ende des Leistungszeitraums anzuwenden ist. Fällt das Ende des Leistungszeitraums in die Zeit zwischen dem 01.07. und 31.12.2020 gelten die ermäßigten Steuersätze von 16% bzw. 5%. Fällt das Ende des Leistungszeitraums dagegen auf einen Tag vor oder nach dem genannten Zeitraum, muss die Abrechnung mit 19% bzw. 7% Umsatzsteuer erfolgen.

Ist die Lieferung des Produkts als Teilleistung anzusehen, sind alle Lieferungen, die zwischen 01.07. und 31.12.2020 als ausgeführt gelten, mit dem Steuersatz von 16% bzw. 5% abzurechnen.  Insoweit ist eine gegebenenfalls vorliegende Dauerrechnung zu korrigieren und zu prüfen, wem die steuerliche Minderbelastung zu Gute kommt.

Onlinehändler

Wie sieht es mit Zahlungszielen aus? 

steueragenten

Zahlungsziele sind für die Höhe des Steuersatzes nicht relevant. Entscheidend ist nur, wann die jeweilige Leistung ausgeführt wurde. Wird z.B. eine Leistung im Dezember 2020 ausgeführt und in der Rechnung ein Zahlungsziel angegeben, das im Jahr 2021 liegt, gelten dennoch die reduzierten Steuersätze von 16% bzw. 5%.

Onlinehändler

Was ist zu befürchten, wenn ich dem Kunden in der Übergangszeit versehentlich einen falschen MwSt-Satz berechne? 

steueragenten

Werden Leistungen in der Zeit zwischen dem 01.07. und 31.12.2020 ausgeführt und irrtümlicherweise mit einem Steuersatz von 19% bzw. 7% abgerechnet, schuldet der Unternehmer die zu hoch ausgewiesene Steuer nach § 14c Abs. 1 UStG. Der Leistungsempfänger kann die zu hoch ausgewiesene Steuer nicht als Vorsteuer geltend machen. Die Rechnungen sollten korrigiert werden.

Werden Leistungen vor dem 01.07. oder nach dem 31.12.2020 ausgeführt und versehentlich mit 16% bzw. 5% abgerechnet, schuldet der Unternehmer dennoch 19% bzw. 7% Umsatzsteuer. Diese ist dann aus den Bruttoumsätzen „rauszurechnen“. Der Leistungsempfänger kann nur (unter den übrigen Voraussetzungen des § 15 UStG) die in der Rechnung ausgewiesene Umsatzsteuer als Vorsteuer geltend machen. Auch hier sollten die Rechnungen korrigiert werden.

Zu beachten ist, dass Rechnungskorrekturen erst in dem Zeitraum zu berücksichtigen sind, in dem sie erfolgen. Rückwirkende Korrekturen sind insofern nicht zulässig.

Gerne stehen wir Ihnen für Detailprüfungen und/oder weitere Fragen und Erläuterungen zur Verfügung. 

Uwe Riediger
Steuerberater Geschäftsführer
steueragenten.de Steuerberatungsgesellschaft mbH
Am Sandtorkai 68
20457 Hamburg

Tel.: 040 / 284 645 390
www.steueragenten.de

Weitere Standorte und Kontaktinformationen finden Sie auf unserer Webseite.

Lexoffice informiert umfassend zur Mehrwertsteuersenkung

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Die DATEV unterstützt ihre Kunden

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